Ein sehr persönliches Interview aus Essen

Hallo Shane, kannst du ein allgemeines Vorurteil über die Stadt Essen brechen?

Ja: Das Betonbauten-Bild mit Industriekulisse ist nur die halbe Wahrheit. Essen ist viel grüner als man im Allgemeinen glaubt. Essen ist super, um durch Wälder zu reiten (nicht, dass ich reite, aber man sieht hier mehr Pferde als woanders).

2. Hast du ein Lieblingsgericht und ein Lieblingsbuch?
Mein Lieblingsgericht: Steckrüben mit Senfbouletten von meiner Mutter. Mein Lieblingsbuch: Die Bibel.

3. An welche Worte deiner Eltern erinnerst du dich am besten? – Wie waren deine Eltern?

Mein Vater dominant, meine Mutter unsicher. Mein Vater hat immer gesagt: „Wenn du bei drei nicht sofort…, dann …“. Und meine Mutter hat mich immer „Spatzl“ genannt.

4. Was waren die wichtigsten Stationen in deinem Leben? Was waren konkrete, prägende Erlebnisse und Erfahrungen?

Ganz grob gesagt waren die wichtigsten Stationen in meinem Leben meine Kindheit neben christlichen Nachbarn, wo mir Jesus „ins Unterbewusstsein gepflanzt“ wurde, mein Amerika-Aufenthalt 2008, bei dem ich Jesus erkannt habe und die vielen Jahre dazwischen, die ich in der Wüste des Lebens umher geirrt bin mit falschen Beziehungsmustern, falschen Karrierezielen und falschen Glaubensgrundsätzen.

Konkret und prägend war für mich, dass ich als Kind Weihnachten immer beim Kirchen-Krippenspiel mitspielen „musste“ und dann mit 14 auch konfirmiert werden „musste“, weil man das halt so machte. In dem Dorf, wo wir lebten, machten alle Kinder beim Krippenspiel mit und wurden mit 14 konfirmiert. Das ganze „Weihnachtsgeschichte und Katechismus auswendig lernen“ hatte für mich wenig mit Glaubensfragen zu tun. So kam Jesus Christus auch überhaupt nicht mehr in Betracht, als ich dann tatsächlich irgendwann Antworten auf Glaubensfragen suchte. Ich glaubte zwar, aber ich konnte keine passende Religion zu meinem Glauben finden. Ich nannte Gott immer „die Weltenergie“, führte „innere Dialoge“ und ließ mich von meiner „inneren Stimme“ leiten. Erst in Amerika, als ich dann biblische Inhalte plötzlich auf Englisch hörte, erkannte ich, dass das, was ich glaubte, von Grund auf biblisch war, dass meine „innere Stimme“ schon immer die Stimme Jesu war und meine „inneren Dialoge“ ganz normale Gebete. Ich hatte einfach nur das christliche Vokabular mit meiner negativen Erfahrung von „totem Glauben“ verknüpft und daraus ein Vorurteil aufgebaut, das mich daran gehindert hat, die Wahrheit zu erkennen! Ich denke, dass es vielen Leuten so geht.

5. Gab es besondere Glücksmomente oder Schicksalsschläge in deinem Leben? Wie würdest du diese beschreiben. Was hat dir bei der Verarbeitung geholfen?
Der Tod meines Vaters drei Wochen nach meiner Hochzeit war ein Schicksalsschlag. Er wurde völlig unerwartet mit 56 Jahren mitten aus dem Leben gerissen. Was mir bei der Verarbeitung besonders geholfen hat war, dass ich im Nachhinein erkennen konnte, dass Gott diese Situation schon zwei Jahre vorher „im Blick“ hatte und mich ungewohnte Wege geführt hat, damit ich dann – als der Tag da war – Frieden finden konnte. Gott war fürsorglich, persönlich, souverän und nah.

6. Hast du einen Lebenstraum? Wo befindest du dich gerade bei der Erfüllung dieses Traums?
Ich wünsche mir ein Leben, bei dem mein Glaube, mein Beruf und meine Ehe harmonisch ineinander greifen und sich gegenseitig befruchten; ein verzahntes Ehe- und Berufsleben mit Jesus im Zentrum. In diese Richtung ist bei mir schon einiges passiert, aber auch noch einiges möglich.

7. Was sind deine Stärken? Wie setzt du sie ein? Worauf bist du stolz?
Hm… Ich denke, jede menschliche Stärke kann zum Guten wie zum Schlechten gebraucht werden – je nachdem, ob man sie in den Dienst Gottes oder in den Dienst des eigenen Egoismus´ stellt. Ich bin wortgewandt, analytisch und klar. Wenn ich diese Gaben in den Dienst Gottes stelle, kann ich Menschen ermutigen, wachrütteln und zur Klärung beitragen. Mit den gleichen Gaben kann ich aber auch Menschen zerschmettern, verführen und tief verletzten. Es gab durchaus schon Situationen, in denen ich mit meinem Mundwerk meinen eigenen Kampf gekämpft und Schaden angerichtet habe! Auf die Erkenntnis, dass jede Stärke eine Waffe ist, mit der man erst mal jesusmäßig umzugehen lernen muss, bin ich mittlerweile stolzer als auf die Stärken selbst.

8. Welchen Rat würdest du einem Menschen geben, der gerade die schlimmste Phase seines Lebens durchmacht? Würdest du dich selbst an deinen Ratschlag halten?
„Gib dein Leben Jesus, halte dich an sein Wort und du wirst sehen, dass alles in Ordnung kommt.“, würde ich ihm raten. Ob ich mich selbst dran halten würde, weiß ich so pauschal gar nicht mal. Ich hab tatsächlich schon so dumme Phasen mitgemacht, in denen ich mich nicht an Jesus gewendet habe, obwohl ich wusste, dass er die Lösung für alles ist. Warum auch immer. Manchmal fällt es einem schwer zu glauben. Aber ich würde mir wünschen, dass meine Freunde, wenn ich in so einer Phase wäre, mir keinen anderen Rat als diesen geben würden.

9. Hast du Erfahrungen mit Gott oder dem Übernatürlichen gemacht?
Ja, einige. Dass mein Vater stirbt (und welche Botschaft ich ihm vorher noch vermitteln soll), habe ich zum Beispiel zwei Jahre vorher geträumt. Dieser Traum hat mich auch tatsächlich dazu veranlasst, negative Verhaltensmuster in unserer Beziehung zu durchbrechen und schlussendlich auch ein liebevolles Verhältnis zu ihm aufzubauen. Gerade noch rechtzeitig!!

10. Was ist dein Lebensmotto bzw. Lieblingszitat?
Form follows function! Mit anderen Worten: Erst nach Sinn und Zweck fragen, dann nach der Ausgestaltung. Ein Satz aus der Designerwelt; gilt für mich aber praktisch in allen Dingen. In der Werbekommunikation stellt sich zuerst die Frage: „Was soll vermittelt werden?“, dann die Frage: „Wie?“. Bei Weihnachten stellt sich zuerst die Frage: „Was feiern wir?“, dann die Frage: „Wie?“. Beim Leben stellt sich zuerst die Frage: „Wozu leben wir?“, dann die Frage: „Wie?“. Wer die erste Frage überspringt, darf sich über Oberflächlichkeit nicht ärgern.

Vielen Dank Shane!

Gebet

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