Ein Jahr lang waren wir gemeinsam tanzen. Fast jede Woche. Und es war immer eine wirkliche schöne Zeit. Bis es plötzlich vorbei war: Er hat keine Zeit mehr dafür. Und irgendwann habe ich den Grund herausgefunden: Gott ist ihm wichtiger.
Zurück bleibe ich ohne Tanzpartner und mit zwei Fragen: Was hat das Tanzen für mich zu etwas besonderem gemacht? Und ist Gott wirklich besser als das?
Ich beginne meine Überlegungen mal am Anfang: Zur Tanzstunde ging ich mit dem Willen und der Bereitschaft, etwas Neues zu lernen, neue Schritte gezeigt zu bekommen und diese Schritte dann zu gehen. Mit dieser Einstellung komme ich auch zu Gott und auch Er zeigt mir Schritte, die ich gehen kann.
Beim Tanzen kommt als nächstes die Musik, die den Rhythmus, nach dem wir uns richten, von außen vorgibt. Für mich mit einem eher begrenzten Rhythmusgefühl kein so großes Thema, denn mein Tanzpartner hat ja geführt. Auch im restlichen Leben weiß ich oft nicht, was richtig und was falsch ist, und bin froh, dass Gott mich führt.
Dann haben wir uns also mit den gelernten Schritten im Takt bewegt und die Tanzlehrer waren trotzdem nicht zufrieden: Wir mussten auf unsere Haltung achten. Tja, eine aufrechte Haltung haben, das ist auch Gott gegenüber wichtig.
Anschließend kommt das leidige Thema „üben, üben, üben“. Aber das ist wahrscheinlich überall ähnlich.
Das Tolle ist aber das, was gleich danach passiert: Seit wir es etwas können, macht Tanzen einfach unglaublich Spaß. Und es gab Tanzstunden, nach denen wir beide festgestellt haben, dass wir all unsere Sorgen für die 90 Minuten völlig vergessen hatten. Beim Thema Spaß kann Gott auf den ersten Blick wohl nicht mit dem Tanzen mithalten. Aber deutlich besser ist Er, was meine Sorgen angeht: Die kann ich bei Ihm nicht nur zeitweise vergessen sondern wirklich endgültig abgeben, sodass sie mich auch später nicht mehr beschäftigen.
Was ich beim Tanzen nebenbei gelernt habe, ist, zu vertrauen. Mein aufregendstes Erlebnis war, beim Wiener Walzer die Augen zu schließen – das erfordert Vertrauen, aber ich werde das unbeschreibliche Gefühl wohl nie vergessen. Wenn ich also meinem unvollkommenen Tanzpartner so vertraue, wie viel Besseres geschieht dann, wenn ich Gott als vollkommenem Wesen vertraue?
Bleibt ein großes Argument für das Tanzen: Meinen Tanzpartner kann ich sehen und anfassen. Allerdings kann der nicht in mich hineinsehen und wissen, was ich in bestimmten Momenten brauche. Gott kann das und wenn ich etwas zum Sehen oder jemanden als Gesellschaft brauche, dann sorgt Er dafür.
Und es bleibt ein großes Argument gegen das Tanzen: Wir können uns dabei nicht unterhalten, denn sonst verliert man die Haltung. Mit Gott kann ich dagegen jederzeit reden (nennt sich Gebet).
von Sonnenblume

